Ratgeber · Ohne Flugleiter
Betriebskonzept ohne Flugleiter: Gliederung, Inhalte, Antrag
Von Sebastian Lemens · · 5 Minuten Lesezeit · Keine Rechtsberatung. Verbindlich sind eure Genehmigung und die zuständigen Behörden.
Verlangt eure Genehmigung eine Betriebsleitung, braucht ihr für das Fliegen ohne Flugleiter einen Antrag bei der Landesluftfahrtbehörde. Kern des Antrags ist das Betriebskonzept. Hier steht, was hineingehört, wie ihr es gliedert und welche Vorlagen es gibt.
Wann ihr ein Betriebskonzept braucht
Die NfL 2024-1-3106 sagt es knapp: Verlangt die bestehende Genehmigung eine Betriebsleitung, stellt der Halter bei der Landesluftfahrtbehörde einen Antrag „Fliegen ohne Betriebsleitung“. Er muss „geeignete technische und organisatorische Maßnahmen“ entwickeln und umsetzen und bleibt auch nach der Zustimmung für den betriebssicheren Zustand und den ordnungsgemäßen Betrieb verantwortlich. Primärquelle NfL 2024-1-3106 Ziff. 5
Ein Formular schreibt die NfL nicht vor. Die Behörden erwarten aber eine schriftliche Darstellung dieser Maßnahmen, und genau das ist das Betriebskonzept. Was die NfL grundsätzlich verlangt und offenlässt, steht im Ratgeber Fliegen ohne Flugleiter. Dieser Artikel geht einen Schritt weiter: Wie sieht das Dokument aus?
Vorlagen, die ihr nutzen könnt
- Musterbetriebskonzept der IG Fliegen ohne Flugleiter (G. Frey, Stand 26.09.2024). Es formuliert die Flugdatenerfassung technologieoffen und nennt eine Meldefrist für Externe von 30 Minuten nach der Landung. Sekundär
- Veröffentlichte Konzepte von Plätzen, etwa EDNX Oberschleißheim (02.04.2025): tagesaktuelles Hauptflugbuch, Bahnkontrolle mit der ersten Meldung des Tages, PPR für Externe, stufenweise Einführung. Sekundär
- Muster der Behörde. Manche Länder geben eigene Muster aus, die Bezirksregierung Münster etwa hat einen Musterantrag und ein Musterkonzept an die Plätze verteilt. Fragt bei eurer Behörde nach, bevor ihr schreibt. Sekundär AOPA, 06.09.2024
Gliederung eines Betriebskonzepts
Die folgende Gliederung lehnt sich an veröffentlichte Konzepte an und deckt die Punkte aus Ziffer 5 und 6 der NfL ab. Passt sie an eure Genehmigung und die Wünsche eurer Behörde an.
- Allgemeines: Flugplatz, Halter, Kontaktdaten, Geltungsbereich, Ausgangslage (warum ohne Betriebsleitung).
- Betriebsarten, Betriebszeiten und Übergang: wann mit, wann ohne Betriebsleitung; wie der Wechsel abläuft und dokumentiert wird (NfL Ziff. 6); PPR-Verfahren.
- Verantwortlichkeiten: Halter, Hauptflugbuch-Beauftragter, Platzwart, Werkstatt, Piloten, Flugleiter, Startleiter.
- Voraussetzungen für Piloten: Einweisung der Mitglieder, Regeln für Gäste, Funk.
- Betriebssicherheit: Kontrolle der Flugbetriebsflächen, Zustand der Vereinsflugzeuge, Meldung von Unfällen und Störungen, Feuerlösch- und Rettungswesen.
- Flugdatenerfassung und Hauptflugbuch: Meldewege, Pflichtangaben, Meldefrist, fehlende Meldungen, Tagesabschluss, Entgelte.
- Platzspezifisches: Pisten, Platzrunden, Lärmschutz, Luftraum, Segelflug und Winde, Abstellen.
- Ausfall, Datenschutz, Dokumentation, Einführung und Evaluation.
- Anlagen: Verfahrensblatt, Aushang, Notformular, Alarmplan, Checklisten.
Verantwortlichkeiten klar verteilen
Ohne Flugleiter verschwinden dessen Aufgaben nicht, sie verteilen sich. Eine Tabelle im Konzept zeigt der Behörde, dass nichts liegen bleibt.
| Stelle | Aufgaben ohne Betriebsleitung (Beispiel) |
|---|---|
| Halter (Vorstand) | Gesamtverantwortung, beschließt Konzept und Meldefrist, benennt Beauftragte, veranlasst NOTAM |
| Hauptflugbuch-Beauftragter | prüft Meldungen, klärt fehlende Landungen, trägt Notformulare nach, erstellt Auszüge und Jahresmeldung |
| Platzwart | Zustand der Flächen, Kontrollfahrten, Platzstatus |
| Piloten | sichere Durchführung des Flugs, Bahnkontrolle beim ersten Start des Tages, Blindmeldungen, Start- und Landemeldung in der Frist |
Die Verantwortung des Piloten für seinen Flug ergibt sich schon aus NCO.GEN.105; die Meldepflicht aus § 23 Abs. 1 Nr. 3 LuftVO. Dass Piloten Anweisungen des Halters beachten müssen (§ 23 Abs. 1 Nr. 2 LuftVO), ist die Grundlage für euer Meldeverfahren.
Flugdatenerfassung: das Herzstück
Die NfL nennt die „Meldung von Flugbewegungen (für Hauptflugbuch, statistische Erfassung, Entgeltberechnung)“ ausdrücklich. Beschreibt im Konzept für jede Gruppe den Weg:
- Mitglieder: App am Handy oder PC, Kiosk am Platz für alle ohne Handy.
- Gäste: QR-Code am Aushang oder Link aus der PPR-Anmeldung, ohne Konto.
- Segelflug: Startliste des Startleiters, sofern ihr Segelflug ohne Betriebsleitung überhaupt zulasst.
- Alle bei Ausfall: Papier-Notformular mit festem Ablageort.
Legt eine Meldefrist fest, etwa „unverzüglich, spätestens 30 Minuten nach Start bzw. Landung“, und beschreibt, was passiert, wenn eine Meldung fehlt: zuerst eine Erinnerung an den Piloten, danach der Hauptflugbuch-Beauftragte. Schreibt dazu, dass das keine Alarmierung ist. Ein Verein ist kein Such- und Rettungsdienst.
Zum Hauptflugbuch selbst gehören Pflichtangaben, Tagesabschluss und der Umgang mit Korrekturen. Details stehen im Artikel Hauptflugbuch elektronisch führen.
Übergang mit und ohne Betriebsleitung
Ziffer 6 der NfL verlangt Vorkehrungen für den Übergang. Bewährt hat sich: Die Betriebsart wechselt nie automatisch, sondern nur durch eine bewusste Handlung. Der Flugleiter übernimmt den Dienst mit einer Checkliste und beendet ihn erst, wenn alle Flüge gelandet oder ausdrücklich an die Selbstmeldung übergeben sind. Beides steht mit Zeit im Dienstbuch. So lässt sich für jede Minute sagen, wer verantwortlich war.
Ausfall, Datenschutz, Evaluation
Ausfallkonzept. Was passiert ohne Mobilfunk, ohne Server, ohne Strom? Eine kleine Tabelle mit Ausfall und Folge genügt. Die Antwort auf fast alles ist: Meldungen werden auf dem Gerät zwischengespeichert, und es gibt ein Papierformular.
Datenschutz. Verantwortlich ist der Verein als Halter. Nennt Rechtsgrundlage (§ 70 LuftVG), Löschfrist (zwei Jahre nach § 70 Abs. 3 LuftVG) und Auftragsverarbeiter, falls ihr eine Software nutzt.
Evaluation. Behörden genehmigen lieber, wenn sie wissen, wie ihr den Betrieb prüft. Mögliche Kennzahlen: Anteil vollständiger Meldungen in der Frist, Zahl der Nachträge und Notformulare, Erinnerungen an den Beauftragten, gemeldete Mängel und Beschwerden. Ein Parallelbetrieb von einigen Monaten liefert die ersten Zahlen, bevor der Antrag rausgeht.
Häufige Schwachstellen
- Gäste kommen nicht vor: kein Weg, wie Externe melden und bezahlen.
- Keine Meldefrist, oder keine Regel für vergessene Landungen.
- Der Übergang ist nicht beschrieben, die Verantwortung zwischen zwei Flugleitern bleibt offen.
- Kein Ausfallweg, wenn Handy oder Server nicht gehen.
- Feuerlösch- und Rettungswesen fehlt. Betriebskonzepte verweisen dafür auf die NfL 2023-1-2792.
Häufige Fragen
Gibt es ein amtliches Formular für den Antrag?
Die NfL 2024-1-3106 schreibt keines vor. Manche Behörden geben Muster aus; fragt vor dem Schreiben bei eurer Landesluftfahrtbehörde nach.
Wie lang muss ein Betriebskonzept sein?
Es gibt keine Vorgabe. Entscheidend ist, dass jede Aufgabe der Betriebsleitung einer Stelle zugeordnet ist und die Flugdatenerfassung für Mitglieder und Gäste beschrieben ist. Knapp und vollständig ist besser als lang.
Welche Meldefrist ist üblich?
Das Musterbetriebskonzept nennt für Externe 30 Minuten nach der Landung. Eine Vorgabe der NfL gibt es nicht; die Frist legt ihr mit eurer Behörde fest.
Müssen Gäste ohne Flugleiter PPR haben?
Die NfL verlangt das nicht. Viele Plätze und manche Behörden sehen PPR für Externe trotzdem vor. Entscheidet das als Halter und beschreibt es im Konzept.
Quellen
Abgerufen am 26.09.2026.
- NfL 2024-1-3106: PDF via DAeC
- Musterbetriebskonzept, IG Fliegen ohne Flugleiter (G. Frey, 26.09.2024): PDF
- Betriebskonzept EDNX Oberschleißheim (02.04.2025): PDF
- AOPA: Fliegen ohne Flugleiter – der Startschuss ist gefallen (06.09.2024)
- § 23 LuftVO · § 70 LuftVG
Das Verfahrensblatt kommt aus Gegenanflug
Gegenanflug erzeugt aus euren Einstellungen ein Verfahrensblatt zur Flugdatenerfassung für Betriebskonzept, Antrag und Aushang. Meldefrist, Erinnerung, Bahnkontrolle, Umschaltung mit und ohne Flugleiter und Papier-Rückfall sind schon eingebaut.
Die Demo zeigt einen erfundenen Verein, ohne Anmeldung. Eure Anfrage beantwortet ein Mensch.